
Abdullah Ibrahim: Begegnung mit außergewöhnlichen Klanglandschaften - Der südafrikanische Musiker und Pianist Abdullah Ibrahim, von keinem geringeren gefördert als von Duke Ellington, zählt weltweit zu den anerkanntesten Tonmalern auf dem Jazzklavier. Auf dem Soloalbum Senzo ist sein Spiel von einem tief in der Seele lodernden Feuer gekennzeichnet: von seltener ästhetischer Schönheit. Es ist die hohe Anschlagskunst Ibrahims, der nicht nur auf den Tasten des Klaviers spielt, sondern lyrische Stimmungen und intime Zwischentönen hervorzaubert und dieses geniale Album sich dadurch wohltuend von den anderen unzähligen Piano-Alben heraushebt, die momentan den Markt bedrängen. Als trance-mission bezeichnet der gebürtige Kapstädter seine Musik, in der die Klage, der Freudengesang und das Hymnische übergangslos ineinander fließen, sich formen, um erneut in einem herrlich-lyrischen Klang zu generieren. In seiner Musik malt er die großartige Weite der afrikanischen Landschaften: es gibt Geschichten zu jedem Stück, die gelegentlich an die Idee des symphonischen Gedichts in der Spätromantik erinnern. Die 22 pianistischen Miniaturen sind in ihrer Gesamtheit Teil eines nicht abreissenden Bewusstseinsstroms, der weit über den unmittelbaren Klang der Musik hinausreicht. Es ist die Menschlichkeit des Klangs und die Freundlichkeit seiner Melodien, die Abdullah Ibrahims Kosmos so einzigartig machen: auch der dem Jazz gegenüber sonst eher reservierte Hörer findet in diesem großartigen Album einen Wohlklang, der entspannend und erfüllend wirkt. Und das macht Senzo zu einem Meisterwerk ersten Ranges.